Annas Weblog


Sieben Tore und eine Prügelei

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Zahme Haie” titelte die Süddeutsche Zeitung noch am Donnerstag und meint damit nicht etwa eine neue Attraktion im Kölner Zoo sondern die Kölner Eishockeymannschaft, die wir von jetzt an nur noch Hockeymannschaft nennen werden, weil es nur ein Hockey gibt und geben kann und das wird zwangsläufig und immer auf Eis gespielt. (Fragen Sie einen Kanadier, der wird Ihnen das bestätigen.)

Gleich neben dem Hockeyartikel über Kölns großes Abstiegsdebakel stand “Die Lust verloren” ob des “Chaos in Duisburg”. Gemeint ist hier die ebenfalls weniger glamouröse Hockeysaison der Duisburger Füchse. (Als Mainstream-Konsument von Deutschen Printmedien wird man zwar regelmäßig darüber informiert, wie die Zweite und Dritte vom Lieblings- oder Konkurrenzverein gespielt hat, aber sobald der Blick auf eine andere Sportart als Fußball fällt, sieht es doch öfter trübe aus. Schade eigentlich. Hockey ist so ein großartiger Sport!)

Die Kölner Haie und Duisburger Füchse bilden momentan die Schlusslichter der Tabelle und das, obwohl Köln Vizemeister ist und in den Playoffs des letzten Jahres nur knapp gegen die Eisbären (Berlin) verloren hat. Eine Mannschaft, die also (berechtigt) zu Beginn dieses Jahres den Titel im Visier hatte, steht 9 Monate später ganz klar vorm Playoff-Aus, welches das erste Mal in der Vereinsgeschichte wäre. Knapp 2.000 Zuschauer durchschnittlich kostet die Formschwäche den Verein und das ist sicher nicht wenig. Zeit, die “Deutsche Eishockeyliga” live unter die Lupe zu nehmen und die Lücken in der Lanxess Arena zu füllen.

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Füchse Goalie Masalskis gab eine gute Figur ab … und hält auch hier

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Haie Goalie Doyle blieb dagegen nicht immer fehlerfrei

Nach der tageszeitungsmäßigen Einleitung zurück zum Blogstandard: Natürlich schauen wir uns ein Schlusslichtspiel nicht einfach so an. Was wäre das denn auch für eine Idee? Man liest zwei Artikel über die beiden schlechtesten Deutschen Hockeymannschaften in seiner Lieblingszeitung und kauft sich Tickets für die Begegnung? Natürlich nicht. Die Tickets waren ein Weihnachtsgeschenk der besten Freundin, die man haben kann. Eine, die den Hockeysport bisher zwar eher peripher verfolgt hat aber dafür ein großer Fan des Norwegischen Outdoorklamottenherstellers Fjällräven ist. Fjällrävens Markenzeichen ist ein Fuchs. Wir sahen die FÜCHSE gegen die Haie. Alles klar? Na, bitte.

Als alter Leafs Fan war ich natürlich auf eine DEL Begegnung nach all den NHL Spielen sehr gespannt. Ich hatte bereits viel über den NHL-Virus gelesen, mit dem man sich nur all zu leicht infizieren kann, wenn man eine Weile im nordamerikanischen Ausland verbringt (bevorzugt die Wintermonate). Danach könne man kein europäisches Hockey mehr sehen, hieß es. Es wäre “ein Kindergarten“, “Das Spiel in slow motion” oder “Hockey auf Ritalin“.

Ich muss sagen, so langsam war das heute gar nicht, zumindest nicht im letzten Drittel und auch nicht in der Verlängerung. Des Weiteren waren einige, schöne und mit Sicherheit schmerzhafte Bandenchecks zu sehen (und zu hören). Darüber hinaus gab es eine prächtige Prügelei. 7 Tore, Checks, Hooks, eine Prügelei und Overtime, dazu noch ein halber Liter Bier für 5,00 Euro: Mehr kann man von einem Hockeyspiel wirklich nicht erwarten.

Unterirdisch war allerdings die Leistung des Vizemeisters. Lullige Pässe, die im Mittelfeld liegen blieben und dort von den Füchsen einkassiert wurden, fehlerhaftes Zuspiel und ein nicht erkennbarer Spielaufbau zogen sich durch alle Drittel. Von einer Spielstrategie ganz zu schweigen. Die Tatsache, dass Duisburg mindestens die Hälfte der Zeit short-handed war (also mit einem Mann auf der Bank saß) und die Kölner gerade mal drei läppische Tore zu Stande brachten, während sie sich zeitgleich und streckenweise ihr Powerplay von den Füchsen in Unterzahl bestimmen ließen, zeigt ganz klar auch die psychische Verfassung der Spieler. Lichtblicke, wie das 3:1 von Trygg, in denen die Brillanz der Spieler kurz aufflackerte, blieben leider die Seltenheit.

Endstand 4:3 nach Overtime. Die Füchse hätten locker gewinnen können. Gegönnt hätte ich es ihnen auch. So oder so, der Hockeyvirus ist zurück und das war sicher nicht das letzte Spiel.


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