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Incoming threats and outgoing cutbacks: Düstere Aussichten für die Europakulturstadt Vilnius
January 19, 2009, 7:06 pm
Filed under: Travels | Tags: , , , , ,

vilnius_strase-bei-nacht

Keine 3 Wochen ist es alt, das neue europäische Kulturjahr, da rudert man auch schon kräftig zurück: Vilnius, Europakulturstadt 2009, gibt eine erneute Kürzung des Kulturetats um 40 % auf 25 Mio. Litas bekannt [1]. Das entspricht in etwas 7,2 Mio. Euro. Kulturminister Vilkaitis räumt ein: “Es könnte sogar sein, dass es noch mehr wird, was wir einsparen müssen.” [2] Zum Vergleich: Der Europakulturstadt Linz 2009 steht ein Budget von 63. Mio. Euro zur Verfügung. Ein Paralleluniversum.

Die Finanzkrise verschont niemanden. Erst recht nicht die kleinen, frisch der EU beigetretenen baltischen Staaten, die so lange auf kleiner Flamme und unter dem Deckel der Besatzung vor sich hin geköchelt haben. Wie sollen sie auch plötzlich das Vier-Gänge-Menü zaubern, dass von mancher Seite erwartet wird? Bereits im Verlauf der Vorbereitungen wurden Stimmen laut, die litauische Regierung würde zu wenig investieren. Von dem zugesicherten Kulturetat von 300 Mio. Litas (86,9 Mio. Euro) für die Jahre 2008 – 2010 wurden bis zum Jahresende 2008 tatsächlich erst 10 % freigeben, so Vilnius ’09 Direktorin Elona Bajoriniene [3]. Mit einer zugesicherten Summe lässt sich genauso wenig arbeiten wie mit einer nicht Vorhandenen. 

Doch die Suche nach Gründen ist zwecklos: Die Europäische Union vergibt den Titel ohne ihn an Bedingungen zu knüpfen. Litauen hat sich darauf beworben. Zweifellos muss die Regierung gewusst haben, worauf sie sich einlässt. Dennoch räumt die EU bereits Fehler im Vergabeverfahren ein [4]. Jan Figel, EU Kommissar für Bildung und Kultur, möchte zukünftig die Bewerbungen durch “eine externe und internationale Jury prüfen lassen”. Damit erkennt er nicht welche Chance es auch sein kann, welche Chance es ist, Europakulturstadt zu sein und nicht nur Herr Figel macht den Fehler, auch Litauen selbst. Indem man den Projektetat der Europakulturstadt 2009 kürzt, verkennt man das Projekt als reines Repräsentationsmanöver, als Prunkbau und unnötige Spielerei.

Das geplante Jahresprogramm hätte mit großer Sicherheit den Tourismus angekurbelt besonders im incoming. Sekundäreffekte hätten für Hotellerie, Gastronomie und ansässige Kulturdienstleister wie Galerien, Künstler, Theater etc. ein glorreiches Jahr beschert. Geld, das nicht wieder reinkommen kann weil es zuerst gar nicht ausgegeben wird. Wer bucht denn schon einen Flug wenn er nicht weiß ob im Mai ein Teil oder gar das gesamte Kulturprogramm gestrichen wird? Wie soll sich denn Litauen in Europa zeigen, wenn es die eigenen Bemühungen zunichte macht?

Es bedarf weder einer Rechtfertigung noch eines Aushängeschildes die Kultur der europäischen Nachbarstaaten kennen zu lernen, besonders derjenigen die bisher eher stiefmütterlich in den westeuropäischen Geschichtsbüchern behandelt wurden. Wer jetzt nicht nach Vilnius reist und sich durch eine kleinkarierte Finanzpolitik verunsichern lässt, wird auch dieses Jahr nicht entdecken, dass Vilnius eine Perle ist – mit oder ohne Budget im mittleren zweistelligen Millionenbereich (ein Dank an die Finanzkrise).

Wenn es etwas gibt, was in Vilnius offen und präsent auf der Straße liegt und was man jetzt und immer entdecken kann, dann ist es: Kultur. 

vilnius-panorama


1 Comment so far
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i like this. especially the last two paragraphs.
you’re well on your way to …..🙂

nice wording is never useless, much to the contrary, it gets the thinking going much more than overused phrases do.

cheers, m.

Comment by mary-lou




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