Annas Weblog


Wer mit Lisa nicht durchbrennt, ist selber Schuld
February 19, 2009, 12:06 pm
Filed under: Friends | Tags:

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Robert Betz grinst wie ein Honigkuchenpferd und feuert im Minutentakt Lebensweisheiten in den Raum: Chakra, Erleuchtung, Liebe, Dankbarkeit, Zustimmung, der gesunde Körper, in Einklang mit sich selbst und der Natur und “Sie können alles genießen, vorausgesetzt Sie sind da und da sind die Wenigsten. […], also kommen Sie zu sich selbst.”

Ja, genau. Kommen wir doch mal zu uns selbst. Prescilla – wie meine Schulter neuerdings in Anlehung an Bat for Lashes heisst – Prescilla, jedenfalls hat nicht wirklich Lust noch länger mit 220 Westfalen in einem Bürgerzentrum zu sitzen und einem Honigkuchenpferd zuzuhören. Sie schmerzt und will bewegt werden. Lustigerweise sagt sie mir das auch direkt in der anschließenden Meditation, die Robert Betz selbstverständlich leitet. Dann bricht Betz auch schon wieder aus in den üblichen Wortschwall: mehr Selbstbestimmung im eigenen Leben, die inhärente schöpferische Kreativität des Menschen (ich denke an die Dissertation und resümiere, dass er das mit Kreativität nicht meinen kann), das mal-für-sich-Zeit-nehmen. Mal was für sich machen. Einfach mal machen. Einfach mal los. Einfach. Leichtigkeit. Tüddelü.

Prescilla und ich fahren nach Hause. Irgendwann klingelt das Handy mitten in der Nacht. Ich schalte es aus. Um 7:30 Uhr geht der Wecker an und das Handy schaltet sich mit einer SMS ein: “Hi anna, dies ist lisas handy.sind nach paris.schlüssel zu meiner wohnung liegt *piep-piep-piep-piep-piep*. klingel mal durch. stephan” Einfach mal los, denke ich, einfach. Leichtigkeit. Tüddelü. und sinke zurück in die Kissen. Kaum haben sich die Augenlider wieder geschlossen, klingelt das Handy. Stephan aus Paris. Was sie dort um Gottes Willen machen, frage ich. Frühstücken, sagt Stephan und Lisa lacht im Hingergrund. Nein, er wäre nicht mit Lisa durchgebrannt. Schade, das wär doch mal was gewesen! Aber so? Frühstücken in Paris? Pah! Bis heute Abend in der Halle, sagt Stephan. Ich sage, Hä? Stephan wiederholt den Satz, ich denke, achso und sinke wieder in die Kissen. Dann bin ich wach.

sl

7:30 Uhr der Tag ist jung. Einfach mal machen. Einfach mal los. Leichtigkeit, denke ich und yeah: Heute kann ich eine Menge schaffen, also spüle ich erstmal ab, bringe den Müll raus, hänge Wäsche auf, stelle Wäsche an, putze das Bad, wische die Wohnung. 10:00 Uhr und der Tag ist noch taufrisch. Süddeutsche Zeitung: Arme Schweine bei Opel, coole Säue bei Facebook. Toll. Die Welt ist toll.

Was kreiere ich denn als nächstes? Ich könnte mal das Auto vorfahren und die Hundekotze aus dem Kofferraum schrubben. Obwohl, das kann warten, schließlich dürfte sie entweder bereits getrocknet oder gefroren sein.

Dann zurück zur Diss. Kreativität, denke ich. Genau. Ich schaue noch kurz in die Mails, ah ein Newsletter von Frau Brown und die schreibt: “Creative people do not belong in the university because the process is antithetical to the analytical process so necessary for proper scholarship.” Ha! Ich wusste es!


4 Comments so far
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war das ein zeitungstermin oder was hat dich geritten? muss ich mir sorgen machen…😉

Comment by mary-lou

Kein Zeitungstermin. Eine “Empfehlung” einer Bekannten und es war auch nicht wirklich schlimm. Was mich allerdings am meisten gestört hat, war, dass Herr Betz in seinen Vorträgen a.) NULL Struktur und Aufbau hat (eine Wäscheliste vorzulesen kommt auf’s selbe raus) und b.) dass die Inhalte so konfus wie die eines Poetry Slam mit Andy Strauß sind. Im besten Fall waren es zwei Stunden länger auf einem Stuhl ohne Wissenszuwachs. Im Schlechtesten: eine Reise weniger nach Paris.😉

Comment by Anna

Was isn ne Waescheliste?? “Weiss von dunkel und Farben trennen”? “Heute waschen: Unterhosen, Socken, Tischdecken; morgen waschen: Hosen, Huete, Korsett, Kletterseil”?

Slightly irrit8ed here…

Comment by Tom

“Weiss von dunkel und Farben trennen” wäre schon wieder zu viel Struktur. Eine Wäscheliste ist:

Zu Waschen:

– Socken
– Vorhänge
– Campinggarniturbezüge
– Unterwäsche
– Wollpullover
– Mützen
– Seidenschal
– Jeans
– Turnschuhe
– T-Shirts

Und jetzt sage ich dir “Diese Liste ist vollständig” und entlasse dich mit einem breiten Grinsen in deine Mündigkeit. Und wie fühlst du dich? Gleich besser, oder?

Comment by Anna




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