Annas Weblog


Unter Journalisten
April 4, 2009, 12:34 pm
Filed under: Interesting Jobs, Süddeutsche Zeitung

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Wie ein großer, verlorener und tiefschwarz betrübter Stahlklotz schießt der Turm des Verlags der Süddeutschen Zeitung irgendwo im fernen Osten Münchens aus dem Boden: er sucht die New Yorker Skyline, Manhatten, den Blick nach Staten Island, eine Fähre oder irgend etwas Amerikanisches und findet statt dessen – ebenso verloren wie flachbrüstig – das Druckereigebäude des Verlags. Mehr gibt es dort nicht. Obwohl: es gibt einen S-Bahnhof.

Aus diesem strömt zielgerichtet ein Pulk Menschen. Unter der lauten Unterführung hindurch, auf den großen Vorplatz zu, der – ebenfalls ganz schwarz – modern sein soll und dabei nur einsam ist. Die große Eingangstür lässt jedem die Brust schwellen, der durch sie hindurchgeht … wenn er sie findet denn sie hebt sich kaum vom restlichen Gebäude ab: kommt nur rein, ihr werdet schon sehen wer hier alles sitzt und denkt und schreibt. „Süddeutscher Verlag“ liest man in silbernen Lettern über dem Empfangstisch wo der Sicherheits- und Informationsdienst die Besucher einweist. Ich bekomme eine Chipkarte, die mir die Türen öffnen soll und auf der mein Name falsch geschrieben ist. Lustigerweise heiße ich jetzt so wie meine allerbeste Freundin.

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Das wollte ich immer schon, sage es am Sicherheitstisch aber niemandem. Die Geländer in der Empfangshalle sind aus schwarzem Leder. Sie laden dazu ein stehen zu bleiben, die Ellbogen aufzustützen und einen Moment inne zu halten: Schaut mal diese riesige Halle. Wie groß und modern sie ist und vor allem: jetzt.

Hätte man ein Getränk, wäre es eine gigantische Bar. Scheinbar.

Ich gehe weiter zu den Fahrstühlen, die durch Drehkreuze abgegrenzt sind, lege die Karte auf ein schwarzes Feld, das Drehkreuz piepst und lässt mich passieren. Die sechs mit Buchstaben gekennzeichneten Fahrstühle fahren alle auf- und abwärts. Es sind intelligente Fahrstühle. Man drückt auf einen der 28 Knöpfe für die 28 Stockwerke und bekommt sofort die Mitteilung, dass der Fahrstuhl „B“ die ökonomischste und damit effizienteste Lösung darstellt. Also positioniert man sich davor.

In den Redaktionsräumen angekommen ist gegen 9:45 Uhr morgens niemand da, außer die Sekretärin. Diese weißt darauf hin, dass man jetzt Zeitung lesen könnte um auf die anderen zu warten. Dabei lacht sie ein wenige nervös. Ein Scherz? Vielleicht. Ich lache mit. Daraufhin schickt sie mich in mein zukünftiges Büro. Dort könne ich ja auch Zeitung lesen. Also doch kein Scherz…

Im Büro kommt sofort mein neuer Kollege, der Herr X. Er begrüßt mich. Wir stellen uns mit Namen vor. Ich mache einen Witz: Mein Name wäre Anna, aber er könne mich auch mit dem Namen auf dem Schild ansprechen. Er reagiert nicht. Von da an siezen wir uns. Herr X geht.

Irgendeine Frau hastet den Gang hinunter, verschüttet ihren Kaffee auf dem Teppich und flucht, kommt zurück, wischt ihn auf, läuft weiter. Herr X kommt zurück und weist mich in meinen Arbeitsplatz und den PC ein. Das ist umfangreich. Nur soviel: mit Word arbeitet da keiner. Ich bin bemüht und konzentriere mich um das lästige Fragen später zu vermeiden. Schließlich tauscht man hier die “Hilfsarbeiter” im Zwei-Monats-Takt aus und schon allein aus diesem Grund möchte man nicht all zu viel Unannehmlichkeiten verursachen.

Die Frau mit dem Kaffee kommt vorbei und stellt sich vor: es ist die Ressortleiterin.

Der restliche Tag verläuft hektisch. Es ist der letzte Tag vor dem Druck der Ausgabe. Bis 30 Minuten vor Druck wird noch gelesen, korrigiert, nochmals gelesen, umgeschrieben und vor allem gelayoutet. Von 4 angestrichenen Fehlern sind 3 keine Fehler. Nach einem Doppelpunkt geht es klein weiter. Vor dem ,und darf ein Komma stehen und manchmal ist ein doppeltes Leerzeichen ganz nützlich. Notiz ans Gehirn: Ich kann kein Deutsch.

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1 Comment so far
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no worries. ich kann auch kein deutsch. vor allem keine kommata setzen. ich schreib meine diplomarbeit einfach ohne und setz eine reihe davon drunter, die können die leute, die sowas brauchen dann für je 10€ kaufen und einfügen.

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hope munich is treating you well dear and that it’s not all as lonely as the SZ building and surroundings!

Comment by mary-lou




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