Annas Weblog


St. Peter Ording in München
April 8, 2009, 8:12 am
Filed under: Friends

Zu einer Zeit, in der hoch toupierte Fönfrisuren schon wieder out waren und nur noch ein neonfarbenes Radlerhosenbein an die Vormachtstellung der grell gestreiften Leggins erinnerte, einer Zeit also, in der die persönliche Freiheit weder durch Kleidung noch durch Frisuren überstrapaziert wurde, erlebte Deutschland die Rückkehr des Windsurfens – natürlich nur soweit das für Deutschland und den Surfsport überhaupt möglich ist. Sylt, St. Peter Ording, Kiel und andere Örtlichkeiten wurden in den einschlägigen Reisemagazinen beworben.

Ich war damals dreizehn oder vierzehn. Allerhöchstens fünfzehn. Ich las sehr viel, sah fern, traf mich mit Freunden und tauschte wahrscheinlich BRAVO Sticker gegen BRAVO Poster aus. Ganz besonders oft tauschte ich Gimmicks der ARD Vorabend-Surfserie „Gegen den Wind“ gegen allerlei andere Dinge. Dort spielten Hardy Krüger (der Jüngere) und Ralf Bauer. Der eine blond, der andere dunkel. Beide trugen diese hautengen aber zum Glück nicht mehr neonfarbenen Neoprenanzüge. Durch ihr Haar blies kein Fön sondern nur der raue Nordseewind. Beide hatten neon leuchtende Windsegel an ihren Surfbrettern. Beides waren Kerle wie sie buchstäblich in ARD Vorabendserienskripte geschrieben werden. Alles war gut.

Mit einem sehr guten Freund saß ich kürzlich im Yseneggers, einer netten Münchner Kneipe am Rotkreuzplatz. (Wer sich den Rotkreuzplatz jetzt auch wie einen für Helikopterlandungen ausgestatteten, großen, mit einem roten X versehen und hell erleuchteten Platz vorstellt, nein das ist er nicht.) Eine Freundin von ihm, die nebenbei bemerkt eine gewisse Ähnlichkeit mit der von mir hoch verehrten Holly Cole nicht abstreiten kann, feierte Geburtstag und wir tranken mit ihr Cocktails. Dabei lernten wir andere nette Menschen kennen, kamen über eine Vielzahl interessanter Dinge ins Gespräch und wurden punkt 4:00 Uhr sehr angetrunken vom Thekenpersonal vor die Tür gesetzt. Was tun also, mit so einem angebrochenen Leben?

Früher wäre man halbverhungert zu McDonalds gegangen und hätte sich dort den Bauch voll geschlagen um Grundlagen zu schaffen für alles, was noch kommen möge. Danach wäre man in ein Taxi gestolpert und zur nächsten Teenydisco gefahren. Mit etwas Glück wäre man dort noch rein gekommen. Gegen 5:00 Uhr wäre man mit noch mehr Glück einem gut aussehenden Surfer in die Arme gestolpert und hätte den restlichen Abend mit noch viel mehr Glück schwärmend, und mit Lotteriechancenglück knutschend verbracht. Mit fünfzehn, oder sechzehn. Allerhöchstens siebzehn.

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Ranger T. feiert ein wenig

Doch aus dem Alter sind wir nun wahrlich raus. Also entschieden wir uns für McDonalds, ein Taxi und schließlich die 089 Bar mit einem brechend vollen Dancefloor. Wankend und mit Bier in der Hand bahnten wir uns den Weg und … Ralf Bauer! Mein Surfer! Idol meiner Kindertage! Tapetenmotiv meines Hausaufgabenheftes! Muse meiner Portraitstunden im Kunstunterricht! Vorabendheld der ARD! Mit dunkelgrüner Armeeschiebermütze, passender Jacke und viel zu braun gebrannt für die Anzahl der Sonnentage in St. Peter Ording, Sylt und Kiel zusammen, angelehnt an ein DJ Pult: etwas allein. Einsam gar. Mit Falten.

Ich finde Idole dürfen nicht älter werden. Erst recht dürfen sie nicht um 5:00 Uhr morgens aus dem Nichts auftauchen. Besonders dann nicht wenn man so betrunken ist, dass man fast zwei davon sieht. Ich finde Idole sollten da bleiben wo sie hingehören: In BRAVO Hefte, in Vorabendserien und vor allem in St. Peter Ording.


1 Comment so far
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Nicht zu fassen: Ralf Bauer! Da kenn ich noch eine, die keine Folge verpasst hat😉

Comment by Lisa




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