Annas Weblog


Mein Leipzig
May 8, 2009, 8:33 am
Filed under: Travels | Tags: , ,

Ein glücklicher Zufall ergab das hier. Anlässlich dessen und einer neuen Bekanntschaft, die mich um einen “Stadtplan für Leipzig und ihr Wochenende bat”, dachte ich, vielleicht nützt es ja auch anderen:

ANSCHAUEN:
Beginnen wir auf dem Weisheitszahn. Das ist im Volksmund der einzige “Wolkenkratzer”- auch Uni-Riese genannt – in Leipzig und den findest du zu deiner Linken wenn du aus dem Bahnhofsgebäude Richtung Innenstadt trittst. Dort gibt es einen Aufzug in dem man alle 31. Etagen kostenlos hinauffahren kann und oben lediglich einen winzigen Obolus zahlt um die ganze Stadt zu überblicken. Bei guter Sicht lohnt sich das wirklich – zumal man so auch schnell ein Gefühl für Orientierung in der Stadt bekommt. Am Gebäude kann man oben die Buchstaben MDR lesen. Der Mitteldeutsche Rundfunkt hat dort tatsächlich ein paar Büroräume. Gesendet wird allerdings von Leipzig Süd, aus der Kantstraße, direkt am Gasometer. Im Gasometer gibt es übrigens momentan – nach dem Mnt. Everest Panorama und Rom 312 –  im Humboldjahr 2009 eine Amazonasausstellung, die imposant sein soll – ich habe sie noch nicht gesehen.

Nach dem Weisheitszahn fahren wir wieder runter und schlendern über den Augustusplatz zwischen Gewandhaus und Oper die Grimmaische Straße entlang Richtung Leipziger Markt. Auf der Grimmaischen Straße gehen wir nicht shoppen weil: wir sind ja nicht zum shoppen hier. Von der Grimmaischen biegen wir kurz rechts in die Nikolaistraße ab und schauen uns die Nikolaikirche an: Hier hat alles angefangen: Die Montagsandachten, die Montagsdemonstrationen und der anschließende Triumphzug der Leipziger für ein einiges Deutschland. Am Besten besucht man die Nikolaikirche zur Probe der Organisten weil: wunderbares Orgelkonzert für lau. Dass manche Passagen ein bis fünfundzwanzig Mal wiederholt werden, dürfte dabei nicht schaden, denn es ist Bach und auf Bach lass ich mir nichts kommen. Leipzig übrigens auch nicht. Freitagnachmittags bzw. Abends gab es diese Proben immer. Falls sich das geändert hat, steht sicher auch irgendwo eine Aufklapptafel mit den nächsten Terminen.

Aus der Nikolaikirche raus, wieder auf die Grimmaische und ab auf den Markt. Dort schauen wir uns kurz um und bemerken, dass neue Architektur auch nicht mehr das ist, was sie mal war, aber das wissen wir ja schon weil wir a.) bereits die dämliche neue Mensa direkt am Augustusplatz gesehen haben, die aussieht wie eine Kirche und b.) uns auf der Grimmaischen Straße linker Hand eine Dauerbaustelle begleitet hat, deren stählerne Struktur auch nichts Gutes verheißt. Dummerweise kenne ich die Architektin sehr gut, weshalb ich mich nicht weiter äußern werde… .

Wir lassen dieses furchtbare Bau-Ensemble hinter uns und fliehen in die Thomasstraße, vorbei am Hugendubel, der zur Weihnachtszeit seine Leipziger Kunden in Mundart lockt: “Kehj Schbielzeisch, kehjne Guschelfieschor – ze Weihnochtn gibbs dies Schoar Bieschor.” (Kein Spielzeug, keine Kuschelviecher – zu Weihnachten gibt es dieses Jahr Bücher.)

Und tata, da stehen wir auch schon vor ihr, der wunderbaren, wunderschönen: Thomaskirche (Wirkstätte von Bach und Mendelssohn und DIE (wirklich DIE!) Venue wenn der Thomanerchor die Johannes-, Matthäus- oder sonst eine andere Passion singt. Tolle Kirche. Tolle Akustik. Und außerdem steht der dicke Bach vor der Tür. Ein Denkmal, was er übrigens Mendelssohn-Bartholdy zu verdanken hat, denn der hat sich dafür eingesetzt und es feierlich eingeweiht.)

Haben wir das einmal geschafft, hocken wir uns gleich ins Bach-Café gegenüber der Kirche und essen eins dieser furchtbar leckeren und wahnsinnig schweren Tortenstückchen und trinken einen Kaffee.

ANBEIßEN:
Typisch Leipzig: Gasthof & Gosebrauerei Bayerischer Bahnhof (im Bayerischen Bahnhof), Auerbach’s Keller (Mädlerpassage / Ecke Grimmaische / Markt), Zill’s Tunnel (Barfußgäßchen), Restaurant im Uni-Riesen (29ter Stock: abends essen gehen und das erleuchtete Leipzig genießen)

Auch lecker: Sushirestaurant am Ende des Barfußgäßchens (rechts halten), Bagle Brothers (am Brühl für den kleinen Hunger zwischendurch)
Für’s Eis danach: Die Pinguin-Milchbar am Marktplatz 

ANTRINKEN:
Entlang des Barfußgäßchens (vom Markt aus am berühmten Jazz Café Spizz (Doldinger) abführend) gibt es eine Kneipenmeile, die wohl die höchste Heizpilzdichte der Stadt hat
Die KarLi runter (Karli ist kurz für Karl-Liebknecht-Straße, also die Straße, die ins sehr links-alternative Connewitz führt). Auf der Karli gibt es gefühlte tausend Kneipen. Ich empfehle wärmstens das KilliWilli, einen Irish Pub, der das legendär-leckere Kirschbier serviert und sonst auch mindestens 230 Sorten andere Biere.

Typisch Leiziger Braugenuss: Ur-Krostitzer (sehr gut!), Reudnitzer (nunja), Braustolz (äehhh)

ANPEILEN:
Für die grüne Seite Leipzigs: der Zetti (Clara Zetkin Park – in der Mitte gibt’s ein Glashaus (als Café) in dem man ausgezeichnet brunchen kann), die Auen (Leipzig ist umgeben von Aue: perfekt für Spaziergänge längerer und kürzerer Natur), der Leipziger Zoo: mindestens einen Tag Zeit nehmen. Für Zooliebhaber ist es wohl einer der schönsten Zoos in Deutschland und auf der Terasse der Kiwara Lodge sitzt es sich sehr bequem für einen Kaffee oder auch für ein Bier. Wenn im Sommer die Sonne untergeht und die Giraffen vor einem über die Wiese staksen (und man es schafft den sächsischen Dialekt der Mitmenschen auszublenden) ist man tatsächlich irgendwo in der Savanne … naja, so ein bisschen jedenfalls.

Die Rennbahn zum Pferderennen: Sonnenbrille auf, Kleid und Handtasche an und fünf Euro auf das Pferd mit dem bescheuertsten Namen setzen. Champus aus der Handtasche, 2 Sektgläser und Prösterchen!🙂

Um es gesehen zu haben: das Völkerschlachtdenkmal: mit der Bimmel (Straßenbahn auf Leipzigerisch) die Prager Str. raus. Man kann es nicht verfehlen. Bernd Lutz Lange sagt “Morr musses gesähn hamm.” Ich sage: “Ich weiß ja nicht.”

Leipziger Kabarett in Mundart: Die besten Sachen gibt’s in der Leipziger Funzel, bei den Academixern (Tom Pauls!) und in der Pfeffermühle.

ANTANZEN:
Nachtcafé (am Ring / für die Schickimickis), MB (Moritzbastei) (quasi neben und unter dem Uni-Riesen, hat Angela Merkel als Studentin schon ausgeschippt, Kellergewölbe mit Studentenflair und manchmal großartigen Konzerten), FlowerPower (Riemannstr. / Nähe KarLi für Studenten), Spizz für geile Jazzkonzerte, naTo und Grassi Nr. 20.


1 Comment so far
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Hi,

ich finde dein blog ist dir wirklich gut gelungen und als alter Leipziger kann ich vieles bestätigen. Bitte weitermachen und vielleicht mal bei mir vorbeischaun!

ein-weites-feld.blogspot.com

Comment by philosophus




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