Annas Weblog


Bewiesene Ungewissheit
May 20, 2009, 4:57 pm
Filed under: Süddeutsche Zeitung

jjk

“Machen Sie doch ein Volontariat bei uns!” wurde mir vor ein paar Wochen vorgeschlagen, als ich sagte, dass es mir hier gefiele und ich gerne länger bliebe. So eine Äußerung regt natürlich zu einer dezidierten Zukunftsgrübelei an. Will ich das wirklich? Ist das die richtige Richtung? Wie lang geht sowas überhaupt und was bedeutet das eigentlich? Man setzt sich also hin und kommt zu dem Schluss: Ja, ich mache das und am nähesten trifft es wohl “Ruder rumreißen und gegen den Wind aufkreuzen”.

Sofort tauchen im Hintergrund fünf von fünf temporäre Kollegen auf: “Tu’ das ja nicht!”, “Sieh zu, dass du was Vernünftiges machst. Das ist viel zu ungewiss!”, “Um Gottes Willen! Lass die Finger davon!” und “Versau’ dir doch dein Leben nicht!” Freilich nicht unisono, sondern in dem für die Branche üblichen multitonalen Kauderwelsch, dramaturgisch irgendwo zwischen einer schaukelnden Effi Briest und einem marrokanischen Gemüsehändler. Aber die Entscheidung war getroffen. Ja, richtig. Sie war getroffen.

Gestern wurde die Redaktion, die dies vorschlug, eingestellt. Am Freitag erscheint das letzte WISSEN Magazin der SZ. Ob das nun längst überfällig war, weil zu schlecht die Qualität, zu groß die Konkurrenz, zu rückläufig die Anzeigen, kann an anderer Stelle diskutiert werden. Fakt ist: Man spart. Hier. Und überall auch. Überhaupt scheint es als ob das “Sparen durch Wegstreichen” die einzige Handlungsmaxime ist, um in offenen Gewässern halbwegs durch diese Krise zu segeln. Einen Kurs B scheint es jedenfalls nicht zu geben.

Traurig war es am Wochenende in die eigene Lokalzeitung zu schauen und das Virus des Qualitätsverfalls zu sehen, dass sich durch mehr und mehr Artikel frisst. “An der Tageszeitung spart man zuerst,” heißt es. Ich kann es nicht nachvollziehen. Solange es geht, werde ich also weiterhin meine Zeitung abonnieren, mich von schönen Artikel begeistern und von gut recherchierten Artikel anstecken lassen:  kritisch zu denken, herzhaft zu lachen und ebensogut zu schreiben. Und bis dahin: “Machen Sie doch mal einen Plan B.”


1 Comment so far
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Plan B:
Wir warten bis die alte Dame aus dem Haus ist, holen eine Leiter und schnappen uns das Vögelchen.

Comment by eva




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