Annas Weblog


Unser täglich Zuckerbrot und Peitsche
June 6, 2009, 4:25 pm
Filed under: Media | Tags: , ,

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Bilder sagen mehr als Worte, sagt man, und in den Tageszeitungen werden sie genutzt um den bedeutungsschwangeren Worten mehr Ausdruck zu verleihen. Fotos in Tageszeitungen sind wichtig. Schöne Zeitungsfotos sind eher selten. Um so mehr freut man sich, wenn man eins erblickt, bei dem man den Fotograf vor Freude spontan umarmen könnte. Zum Beispiel das Foto des fliegenden Barca Trainers nach dem Championsleague Spiel gegen ManU:

barca_2

Aber wieviel Geld ist ein Foto wert, was mehrere tausend Mal gedruckt und doppelt bis dreifach soviel betrachtet wird? 

Dieser Frage widmen sich seit kurzem wieder die Damen und Herren des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BVDZ), des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) und der Gewerkschaft ver.di. Abgesehen davon, dass manche “Visionäre” diese Debatte, angesichts des offensichtlichen Ablebens des Printmediums, für eine völlige Zeitverschwendung halten, ist es doch erstaunlich, wieviel Zeit schon wieder ins Land gegangen ist, seit den letzten Verhandlungen im Jahr 2006 (glaube ich). Damals forderte man 3,5 % mehr Lohn, jetzt sind es 7,5 %. Die Journalistenbranche ist eine der armen Schweine.

Die erste Verhandlungsbasis, die nun der BVDZ unterbreitet, liegt bei unsäglichen 22-33 Euro pro Bild – bei einer Auflage von 50.000 bis 100.000 Stück. Das betrifft (grob) 84 von Montag bis Samstag erscheinende Tageszeitungen in Deutschland (von über 1.000). Unwesentlich mehr Tageszeitungen liegen über einer solchen Auflagenklasse: darunter z.B. die SZ, die FAZ, der Münchner Merkur, die Mitteldeutsche Zeitung (gesamt für Sachsen-Anhalt) und die Thüringische Allgemeine. Signifikant mehr liegen über der selben: z.B. die Fuldaer Zeitung, die Harburger Rundschau, die Husumer Nachrichten und  der Soester Anzeiger. Laut DJV bedeute dieser “Vorschlag” eine Absenkung des bestehenden Honorars um die Hälfte. Dort ist man erbost. Verständlicherweise.

Bei einem 12a-Tarifvertrag (nach Tarifvertragsgesetz der Vertrag für eine “arbeitnehmerähnliche Person”, also quasi für einen freien Fotojournalisten, der mehr als die Hälfte seines Einkommens mit einem Auftraggeber abdecken kann) sollen es 65 Euro in der selben Auflagenstärke sein. Lege man dieses Honorar auf ein weniger auflagenstarkes Blatt um (unter 10.000), so bekäme der Fotograf, laut DJV, für sein Bild circa 13 Euro. In der Praxis müsste der Fotograf also in einer Stunde mindestens 5 druckwürdige Bilder schießen um auf einen Stundenlohn zu kommen mit dem er – nach allen Abzügen – leben könnte.

Das sind ungefähr 10 Minuten pro Bild. Um Gottes Willen keine Objektive wechseln! Das Suchen eines Motivs wird sowieso völlig überbewertet und ja keine Anfahrten! Am besten der Fotojournalist von morgen, das arme Schwein, fotografiert ausschließlich Dinge in seiner näheren Umgebung. Zum Beispiel Kaffeetassen. Und dann kann man auch gleich die Kamera stecken lassen und das Handy nehmen. Denn für das Geld, muss so viel Qualität schon sein!


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