Annas Weblog


Über Sonnenuntergänge und Bergwertungen
September 8, 2009, 8:37 am
Filed under: Bike Project, Sports | Tags: ,

DSC00662

Soweit das Auge reicht: Naturpark. Dicke Bäume, ein glitzernder See und schöne Holzbänke. Durch die Baumkronen fällt das letzte Abendlicht. Raschelgeräusche mischen links und rechts vom Weg das Laub auf. Die Lunge rasselt. Es ist ein tiefes, kehliges und ratterndes Rasseln. Einrasseln. Ausrasseln. Und dann wieder: Einrasseln. Ausrasseln. Manchmal pfeift es auch. Die Überlegung, dass die Luft auch schon im Mittelgebirge dünner sein könnte als im Flachland, lenkt zuerst ein wenig von der eigenen Inkompetenz ab, einen Berg mit einem Anstieg hinaufzufahren, der länger als 50 Meter ist. Dann überholt ein Seniorenradler auf einem alten Mountainbike, dessen rostiges Neongelb auf eine Geburtsstunde in den späten Achzigern oder frühen Neunzigern schließen lässt. Die Luft ist nicht dünner. Die Beinchen sind es und die kleine Flachlandlunge.

Als der ewige Anstieg auch nach der nächsten Kurve einfach nicht enden will, schreckt es rechts im Wald kurz auf. Der starre Blick, der sich nun müde und mit aller Kraft aus der Asphalthypnose löst, erblickt nur fünf Meter entfernt eine Damkuh mit Kälbchen. Diese glotzt zurück: auf den Bergazubi und dessen hängende Zunge und wahrscheinlich auch auf den Kleinsten von 30 Gängen an der Shimanoschaltung. Anstatt – wie es sich gehören würde – vor lachen auf den gepunkteten Rücken zu fallen, und sich den Bauch zu halten, raunt es dem Kind eine Nachricht zu, und setzt zum Sprung ins bergige Gelände an. Nur wenige Sekunden später fällt auf die selbe Stelle wieder das fleckige Abendlicht und malt Tupfen auf die bemoosten Steine.

Wieder allein mit dem Anstieg und dem Asphalt rasselt die Lunge des Bergazubi lauter. Hinter der nächsten Kurve setzt sich der Anstieg fort. Danach immer noch und dann wieder, bis fünfzehn Kilometer vor Ziel endlich die Abfahrt kommt, die mit zehn Kilometern pro Stunde erschneckt und mit fünfundfünfzig Kilometern pro Stunde genommen wird. Danach ist alles wieder gut. Die Lunge hat sich vom bergauf erholt und ist nun mit mindestens fünfundzwanzig winzigen Käfern und Fliegen gespickt, aber das macht nichts. Hauptsache nicht mehr bergauf. Nur nicht mehr bergauf.

Morgen Abend geht es weiter.

DSC00663


Leave a Comment so far
Leave a comment



Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s



%d bloggers like this: