Annas Weblog


Öffentliches Interesse? – Welches öffentliche Interesse?
February 19, 2010, 11:25 am
Filed under: Media, Sports | Tags: , , ,

Nicht zuletzt seit dem Beginn der XXI olympischen Winterspiele in Vancouver wird das Thema “Homosexualität im Profisport” vermehrt in den Medien aufgegriffen. Ob mit dem Outing einiger Sportler (Gareth Thomas, Brendan Burke) oder dem eindeutigen Bekenntnis dagegen (Arek Onyszko), es wird darüber geschrieben und berichtet, und zumindest online wird viel darüber diskutiert. Das öffentliche Interesse ist da, doch nicht weil es, wie etwa beim Bürgerlichen Entlastungsgesetz, einen jeden persönlich betrifft. Nein, persönlich “betroffen” sind angeblich nur 5-10 % aller Deutschen, aber es ist doch so ungemein spannend zu spekulieren, wer sich demnächst wann, wo und mit wem outen wird… .  Naja, und jeder Journalist braucht eben auch irgendwo eine Story.


Wie groß das öffentliche Interesse an Jogi Löw ist, und was genau an Jogi Löw so interessant ist, zeigt eine einfache Google-Abfrage…

Auf den “sympathischsten” aller olympischen Spiele (Süddeutsche Zeitung) gibt es nun erstmalig ein so genanntes “pride house“. Es soll homosexuellen Sportlerinnen und Sportlern die Möglichkeit geben, in einem geschützen Rahmen zu feiern, und sich so im gleichen Zug, zu ihrer Homosexualität zu bekennen. “Geschützt? Wovor? Bekennen? Wieso?” möchte man als eingefleischter Olympia-Fan ohne queeren Szene-Hintergrund fragen. Ist das denn wichtig? Sollte es wichtig sein? Schließlich zählen doch nur Leistung und Medaillen, und wenn das nicht klappt, dann zählt der kleinste, gemeinsame Nenner: der olympische Gedanke: Dabei sein ist alles. Aber ist man denn auch wirklich voll und ganz “dabei”, wenn man Angst hat, einen großen Teil seiner Person verstecken zu müssen?

Und wovor hat man Angst? Vor den Teamkameraden? Vor einer Schlammschlacht in der Presse? Vor einem Absprung der Sponsoren? Oder einfach davor, Privates öffentlich zu machen?

Was möchte man mit seinem Outing erreichen? Offenheit mit sich selbst? Narzismus und die damit garantierte Aufmerksamkeit der Presse? Die Hoffnung auf ein größeres Interesse der Sponsoren? Oder einfach, als Pionier und Leuchtfigur den Schrank für viele homosexuelle Sportler aufzustoßen, so dass man das Leben nach den olympischen Spielen offener und freier Leben kann? Aber muss man sich dafür im Vorfeld mit einem “Ja, wir sind ein Paar” äußern?

Vielleicht kann man es ja einfach so machen, wie Nadine “Nadse” Angerer, Torhüterin der DFB Damenauswahl, die sich zwar um Pressefragen und eindeutige Äußerungen drückt, aber dennoch mit stoischer Gelassenheit in den Szenekneipen von Kreuz- und Prenzl Berg abhängt. Jeder weiß es (bei den DFB Mädels ist das ohnehin offener als bei den Jungs) und keiner redet darüber.

Vielleicht sollte man sich aber auch offensiv outen, wenn es um Sportarten geht, in denen Homosexualität wie ein rotes Tuch behandelt wird. Fußball zum Beispiel, oder Eishockey oder Rugby. Vielleicht muss man sich offensiv outen, solange es noch einen Unterschied macht, ob man schwuler Eiskunstläufer oder schwuler Hockey-Torwart ist. Vielleicht muss man sich auch offensiv outen, solange es einen Unterschied macht, ob man lesbische Tennisspielerin (Martinez, Navratilova, Moresmo, Raymond, Stubbs, Fernandez …) oder schwuler Tennisspieler (?) ist. Vielleicht muss man sich solange offensiv outen, bis die Presse derart zu einem öffentlichen Diskurs beigetragen hat, dass das Interesse am Thema so groß ist wie die Hoffnung der Deutschen Hockeymannschaft auf einen Olympiasieg. Solange, bis die Sun nicht mehr titeln kann “Tonights referee is gay” weil es einfach keine Schlagzeile mehr ist.


2 Comments so far
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i found this piece of writing to be quite excellent… as well as the link “schöner und weiterführender artikel” about brendan burke in the previous blog. yup.

thanks for blogging. i enjoy reading your thoughts and writings… read lost in the weekend edition of the sueddeutsche last night and it made me think of you. yes.

m.

Comment by mary-lou

Wann kommt der erste Bundesliga-Profi, der sich outet? Statistisch gesehen muss es selbstverständlich auch unter Fußballern Homosexuelle geben. Während Fußballerinnen meist keinen Hehl daraus machen und sich zu ihrer Homosexualität bekennen, verstecken sich Männer meist hinter einem Lügengebäude. Wer weiß, vielleicht hat Gareth Thomas mit seinem Coming-Out einen Domino-Effekt ausgelöst.

Comment by Kaka




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