Annas Weblog


Neues aus der Zone
March 23, 2010, 11:03 am
Filed under: Environment, politics | Tags: , , , ,

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg war Berlin in Sektoren unterteilt, die die Alliierten fein säuberlich auf einer Karte abgesteckt hatten. Die USA, England, Frankreich und Russland waren die Gewinner und jeder Gewinner wollte ein Stück vom Kuchen haben. Und der Kuchen ist immer die Hauptstadt. In einem gütlichen Geben und Nehmen wurde dafür der Osten von den Amerikanern an die Russen verkloppt, die dort alsbald einen Zoo einrichteten, der wenig später im subversiven Volksmund der DDR als “Zone” verschrien war. Dann fiel die Mauer, der Stacheldraht kam weg und die Grenzübergänge wurden zu dem, was sie heute sind: grotesk-hässliche Monumente der Vergänglichkeit, die dem Hauptstadttouristen links und rechts der Stadtautobahn auflauern. Berlin war zonenfrei. Bis zum 01.01.2010.

Jetzt gibt es die Umweltzone.

Die beginnt, wenn man die 100er Stadtautobahn verlässt und in Richtung Zentrum fährt. Große viereckige Zeichen sind das, mit einem roten “Durchfahrt-verboten” Kreis, in dem fett “Umwelt” steht. Eigentlich sogar ganz schön. Ergänzt werden die großen viereckigen Schilder durch kleine Schilder, die angeben welche Farbe die Umweltplakette an der PKW-Windschutzscheibe des am Hauptstadtwahnsinn teilnehmenden Verkehrsidioten haben muss. Bei grün, dürfen nur die grün plakettierten Autos fahren, bei gelb, die gelben und die grünen, bei rot, die roten und die gelben und die grünen – also alle. Wo man früher “Fischer, wie hoch ist das Wasser?” rief, heißt es heute: “Fahrer, wie hoch ist die Feinstaubbelastung und hast du denn auch wirklich einen Euro-4-Katalysator?”

Mein Fabian hat einen Euro-3-Kat. Somit gehöre ich grüne Seele zu den bösen Feinstaubschleudern dieser wunderbar nachhaltig umweltbewusst denkenden Republik und trage gelb, die Farbe der Missgunst, des Neids und der Aussätzigen. Guido Westerwelle kann da ein Lied von singen. Der trägt nämlich auch gelb.

Fährt man nun “aus Versehen” mit dieser abscheulichen Plakette in die totale Umweltzone, dahin also, wo am Wegesrand die Schneeglöckchen durch die dunkle Erde brechen, um im weißesten Weiß zu erstrahlen, wo in aller Ruhe der Feldhase hoppelt und das Reh genüsslich auf den Parkflächen äst, wo Vogelstimmen in der Luft erschallen und ein Bächlein leise gluckst, kurz: nach Berlin Mitte … dann bekommt man deswegen einen Punkt in Flensburg und 40 Euro Strafe. Die Stadt ist pleite. Und verdreckt. Verständlich, dass man da ein Stück vom Kuchen derer möchte, die im grün-grünen Umland wohnen.

Wer allerdings als PKW-Halter in den zwei Jahren zuvor schon einmal durch eine Geschwindigkeitsübertretung auffällig wurde, bekommt zusätzlich ein 30 Euro Wiederholungstätergeld und eine Bearbeitungsgebühr von 25 Euro aufgebrummt.

“Summa summarum”, wie die kleine Biene am Alexanderplatz sagen würde (und Frau Top vom Referat für Verkehrsordnungswidrigkeiten), “sind dit 100 Ökken, wa?”

Danke, Berlin!


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