Annas Weblog


Szenen I
December 9, 2010, 12:30 am
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<Sogar der Schnee ist weißer Dreck>, denke ich und starre auf meine Schuhe auf dem Türabsatz. Eine Hand noch am Knauf der Haustür überlege ich, ob ich den einen Schritt vom Absatz auf den Gehweg wirklich tun will. Der ist verschneit, vereist und dreckig. Aber ich muss einkaufen. Mein Blick wandert weiter auf das rostige Geländer der Blumenrabatte gegenüber. Gelbe Pisskringel an jedem Stab und jeder Ecke. <Ich hasse Hunde>, denke ich. Zögerlich setze ich einen Fuß vom Absatz. Es ist glatt, aber der Dreck trägt.

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Erntezeit
August 31, 2009, 10:18 am
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Manche meinen, er wäre dieses Jahr nie da gewesen. Er hätte noch nicht einmal vorbeigeschaut, um sich dann klammheimlich und verstohlen wieder unbemerkt abzusetzen; der Sommer, die gelbe Sau.

Ganz besonders ist diese Meinung im Süden der Republik verbreitet, wo er sich tatsächlich nur so lange hat blicken lassen, dass der Mensch, angesichts seiner spärlich vorgeworfenen Happen, gar nicht auf die Idee kommen konnte, ihn beim meteorologischen Institut zu reklamieren oder anderweitig Beanstandungen zu erheben. So kurz war seine Zeit aber auch, dass ihn jetzt zum Herbst hin, weder Gefühle noch Erinnerungen in sentimentaler Retrospektive anständig aufleben lassen könnten: Kein Gefühl von nassen Haare auf einem sonnenwarmen Rücken, die Waden unberührt vom Saum des Sommerkleides, die Fußsohlen babyweich und weiß, und gar nicht kohlenschwarz, weil der Erdboden stets zu kalt war, um Spuren zu schnüren und ja, die Erdbeerzeit gab es. Aber wie schmeckte die noch mal?

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Boulder – Haiku No. 1
November 4, 2008, 11:41 am
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bouldern-macht-spass

In palm sweat, afraid
But not of hights, to fail may
be: just try again!



Dissertation – Teil 2
November 4, 2008, 3:11 am
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Ja, Dissertation Teil 2 oder aber auch: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Und es ist eine Schande, dass ich mir Blog-Verbot gegeben habe. (Ihr merkt natürlich jetzt, dass ich gerade leise in die Filzpantoffeln geschlüpft bin, das Fenster ganz vorsichtig aufgemacht habe und mich über das Staket mit den Rosenstöcken klammheimlich in die helle, blauviolette Nacht geschlichen habe. Wer noch ein wenig genauer hinsieht, wird das Käuzchen im alten Pflaumenbaum bemerken und die kleine Mühle am Weiher klipp-klappen hören. Klipp-klapp. Klipp-klapp. Und auf dem Steg, da stehe ich und grinse in das Mondlicht. Und auf der dunklen, klaren Wasseroberfläche, da grinst ihr zurück und erinnert mich daran, dass ich mich vor mir selbst schützen wollte und es mir schon wieder nicht gelungen ist.)

Aber wir waren beim Blog-Verbot. Ja, das habe ich. Sarah Palin wird von meinen Lieblingsfranzosen (die Quebequois sind die besseren Franzosen) verarscht und ich darf will nichts darüber schreiben. Dafür kriegt ihr wenigstens die Liga-Ergebnisse. Hier, bitteschön:

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Ich schleiche mich mal wieder ins Haus und schlüpfe unter die Bettdecke. Ein bisschen schlafen wäre sicher auch ganz gut. Gute Nacht!



Es ist diese Jahreszeit. Schon wieder.
October 12, 2008, 7:03 pm
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Wenn der falsche Wein errötet und auffliegt und die Sommerlinden vorm Haus nur ganz kurz blassgelb schimmern, wenn auf dem Markt orangerote Kürbisse feilgeboten werden und der Federweißer das Kühlfach mit den Milchprodukten teilt, dann ist es Herbst. Jetzt werden die dicken Wolldecken hervorgekramt und die Teevorräte aufgestockt. Das Bücherregal wird entstaubt und neue Kerzen werden aufgesteckt. Die alte Holztür zur Cave wird aufgeschlossen und ein paar Weine werden nach oben getragen, wo sie vortan bis zur Adventszeit temperieren können und zu Kürbissuppe und Steinpilzgerichten gereicht werden. Die Tage werden kürzer. Die Nächte werden länger. Die Sonne lässt sich durch tiefe Morgennebel nur selten blicken. Die gelbe Sau.

Halali hallt es durch die Forsten indenen geerntet wird was das Jahr über gereift ist. Blutgetränkte Kiefernnadeln riechen nach frischer Erde und Aufbruch. Dampfende Hände in purpur. Hechelnde Zungen und glückliche Knopfaugen. Später dann: volle Kühltruhen. Noch etwas später: leckere Braten. Auch dazu wird der Wein gereicht.

Der Herbst ist da und die Autorin ist in ihrem Element. Jetzt möchte sie so wenig Zeit wie möglich mit ihrer Dissertation verbringen und ärgert sich ein wenig, dass es soweit kommen konnte. Im nächsten Jahr, denkt sie sich, im nächsten Jahr wird alles anders.

Ich glaube, das dachte sie bereits im Jahr zuvor.



Das Richtige
July 15, 2008, 12:43 pm
Filed under: Scribble-in-a-minute

“Der Herbst wird golden”, sagte sie und während ein rotes Ahornblatt vor ihren Füßen landete, seufzte sie und fügte hinzu “und ich liebäugele mit ein wenig Verliebtheit im Oktober.” Die Dohle auf der Parkbank legte den Kopf schief und starrte auf ihren Mittelfinger, wo ein silberner Ring in den Strahlen der morgendlichen Herbstsonne blinkte. “Weißt du”, krächzte die Dohle ohne aufzuschauen, “niemand ist gern allein. Besonders wenn es so viele Beeren gibt und der Winter lang wird.” Sie hüpfte keck auf die Banklehne und ließ ihren Blick über den Park schweifen.

“Aber ich weiß nicht ob das richtig ist.”

“Was ist schon richtig? Was ist schon falsch?”, lallte die Dohle und blickte sie vorwurfsvoll mit ihren hellblauen Augen an.

“Halbe Sachen sind nicht richtig. Dinge bei denen man sich nicht sicher ist, sind nicht richtig. ” Sie zögerte und fügte leise ein kleines “…oder?” hinzu.

“Bist du denn sicher, dass auch ein Winter kommt?”, der schwarze Vogel trat verschmitzt von einem Fuß auf den anderen, “und kann es nicht sein, dass es für immer Herbst bleibt?”

“Bitte?”

“Na, siehst du.”



Die versteckte Zahnbürste
July 8, 2008, 8:49 pm
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Jeden Abend putzen wir die Zähne. Alle machen das so. Allerdings kenne ich niemanden, der seine Zahnbürste zuerst suchen muss, denn das ist das Spiel und schließlich sind wir ja hier auf der Erde um auch ein wenig zu spielen obwohl nach landläufiger Meinung früher oder später der Ernst des Lebens kommt. Und hier ist die Neuigkeit: Man muss ihn ja nicht reinlassen. Die GEZ hat ein ähnliches Problem. Die könnten sich eigentlich mal zusammentun, der Ernst des Lebens und die GEZ und einen Workshop machen. Oder so.

Aber wir waren beim Zähneputzen und bei der Tatsache das alles viel interessanter wird wenn man die Zahnbürste versteckt und das geht folgendermaßen: Man nimmt sich diesen kleinen, gepunkteten Hund und zeigt ihm seine Zahnbürste. Pedigree hat vorausgedacht und für Hunde eine schlaue Zahnbürste enwickelt, die man sogar essen kann und das ist ja schließlich auch der Clou.  Jedenfalls nimmt man die Zahnbürste und diesen kleinen, gepunkteten Hund und bittet ihn vor der Küchentür kurz zu warten. Er darf nicht schmulen und auch keinen Lärm machen weil man sich ja konzentrieren muss wo man am besten diese Zahnbürste versteckt. Ist das getan, ruft man den kleinen Hund wieder rein und sagt ihm das er jetzt mit der Suche beginnen kann.

Nun gibt es schwierige und leicht Plätze. Die leichten Plätze sind die auf dem Boden. Die schwierigen die auf Augenhöhe oder noch weiter oben. Heute hatten wir nicht so viel Glück und waren als hochsensibles Nasentier auf lächerliche “kalt” und “heiß” Rufe angewiesen, die wir zwar schon kennen aber eigentlich ignorieren. Hätte man als ohnehin defizitäres Wesen nicht zuerst die Zahnbürste versteckt, lägen die Karten schon mal anders. Das zumindest sagt der schwarz-weiß gepunktete Blick. Hunde können zudem auch wunderbar kommunizieren indem sie seufzen. Ein langer Seufzer nach einem “heiß” bedeutet so viel wie “ach wirklich!”. Dann darf man als Mensch erst wieder etwas sagen wenn es ganz “kalt” ist.

Ist die Zahnbürste gefunden, springen wir auf das Sofa und putzen genüsslich Zähne. Danach machen wir den Rest sauber und schließlich schlafen wir ein und finden Zahnbürsten überall… .